Idylle am Haçlı-See

Von Karayazı zum Van-See

Endlich Abfahrt

Schneechaos in Karayazı

Schneechaos in Karayazı

Man versuchte mit Baggern die Straße halbwegs befahrbar zu halten.

In Karayazı schoben gerade Schaufelbagger die Schneemassen an die Straßenränder, um die Durchfahrt wenigstens halbwegs befahrbar zu machen. Wir kauften reichlich Lebensmittel und fuhren mit Rückenwind und Schneegriesel bei Sichtweiten von unter 200 Metern auf den nächsten Pass zu. Die Straße war frei von Schnee, doch um uns herum war außer Weiß nichts zu erkennen. Die Landschaft verschwand hinter einem Schleier aus Schnee, durch den sich nur selten die Form eines Felsens oder Baumes abzeichnete. Es fühlte sich nicht nach Türkei an, sondern eher nach Hoth, dem Eisplaneten aus Krieg der Sterne.

Göksu Pass

Göksu Pass

Der Pass trennte die Hochebene von Karayazı von den tiefergelegenen Gebieten im Süden.

Wir erreichten den 2350 Meter hohen Pass, machten das obligatorische Passfoto und begannen auf der Rückseite des Gebirges hinunterzurollen. Je tiefer wir kamen, desto wärmer wurde es. Das klingt erst einmal nicht schlecht, doch mit steigenden Temperaturen wurde der Niederschlag stärker, der Schnee verwandelte sich in Schneeregen, der an unseren Kleidern klebte und uns im Nu auskühlen ließ. Nach 700 Metern Abfahrt spürte ich trotz Handschuhen meine Finger fast nicht mehr und Michis Ohren verweigerten ebenfalls jegliche sensorische Informationsweitergabe.

Schneegriesel beim Verlassen von Karayazı

Schneegriesel beim Verlassen von Karayazı

Wir kamen uns vor, als wären wir auf Hoth, dem Eisplaneten von Krieg der Sterne, gelandet.

Kopal

An einer Tankstelle an der Umgehungsstraße von Kopal wärmten wir uns auf und fuhren erst eine Stunde später weiter, in der Hoffnung, heute wenigstens noch ein paar Kilometer Weg machen zu können, bevor es dunkel würde. Doch lediglich 2 Kilometer weiter wurden wir am Weiterfahren gehindert. Eigentlich wollten wir in Kopal gar nicht anhalten, aber da Michis Füße immer noch wie Eiszapfen waren – obwohl ihre Hallenturnschuhe ja bekanntlich das perfekte Schuhwerk für nasskaltes Schneewetter waren – hatten die Dorfbewohner leichtes Spiel und schafften es problemlos uns davon zu überzeugen, nach nur 15 Minuten Fahrt eine weitere Aufwärmpause zu machen.

Teehaus-Politbüro

Man geleitete uns in einen großen Raum, der eine Mischung aus Teehaus und Politbüro zu sein schien, und ein überhaupt nicht türkisch aussehender Mann, der mich unheimlich an Obama erinnerte, nur mit einer Riesenzahnlücke, bestellte Tee für uns. Er wollte sich mit uns unterhalten, sprach jedoch so unheimlich schnell, dass ich kein Wort verstand. Verteilt auf einige Tische saßen gut 20 Türken im Raum, tranken Kaffee und begafften uns.

Unser Zahnlückenobama feuerte immer wieder einige maschinengewehrschnelle Silben in den Raum, worauf jeder der anwesenden Mutanten pflichtbewusst einen Lacher von sich gab. Ich bin mir nicht sicher, ob er wirklich witzig war, oder ob sein Status erforderte, dass gelacht wurde, wenn er einen Witz machte. Die Situation schien uns äußerst bizarr.

Von Zeit zu Zeit beschloss einer der Anwesenden, dass wir heute Nacht bei ihm schlafen würden. Nach einer Stunde des Aufwärmens hatten wir fast freie Auswahl, wo im Dorf wir heute schlafen würden. Nach kurzer Beratschlagung auf Deutsch entschieden wir uns für die Zurückhaltendste der Übernachtungsmöglichkeiten und folgten ihm zu seinem Haus. Sein Name war Farhad. Wir schoben die Bikes auf den Vorhof eines neu gebauten, großen, zweistöckigen Bauernhauses und ich war etwas überrascht. Die Kleidung unseres Gastgebers hatte einen solchen Reichtum gar nicht vermuten lassen.

Bei Farhad

Farhad aus Kopal beherbergte uns eine Nacht lang

Farhad aus Kopal beherbergte uns eine Nacht lang

Doch dann bog er nach links ab und betrat eine kleine Baracke, die mir bisher gar nicht aufgefallen war und die nicht aussah, als könne man darin tatsächlich wohnen. Doch dies war sein Haus. Glaube ich. Über zwei Stufen ging es zu einer Holztür, die in einen kleinen Raum führte. Außer einem Holzofen und einem Kühlschrank waren die Teppiche und Kissen, die auf dem Boden lagen, die einzigen Einrichtungsgegenstände. Sofort wurde der Ofen mit getrocknetem Kuhdung befüllt und Tee gekocht. Das Abendessen hatte man auch schon vorbereitet und stellte es nun in alten, verbeulten Töpfen auf den Holzofen.

Der Raum hatte zwei weitere Türen. Eine führte in einen größeren Raum, der bis auf einen Ferseher und zwei Matratzen leer war. Die andere verband die erstaunlich große Küche und das dahinterliegende Bad mit dem beheizten Eingangsraum. Die Fläche des Hauses war viel größer, als man von außen vermutet hätte.

Nach einigen Minuten schlugen Flammen aus der Öffnung des Ofens und der Raum heizte sich auf gefühlte 30 Grad auf. Ideales T-Shirt Klima. Zumindest für mich, denn Michi musste es ja mit Kopftuch und langen Ärmeln aushalten. Ein kleiner Vorgeschmack auf den Iran. In der nächsten halben Stunde versammelte sich die Verwandschaft, Nachbarn mitsamt Kindern und der Freundeskreis in dem kleinen Raum, begutachtete die Touristen, und räumte kurz vorm Essen wieder das Feld.

Bei Farhad in Kopal

Bei Farhad in Kopal

Abendessen

Frauen mit Kopftuch in Kopal

Frauen mit Hijab in Kopal

Farhad, der kurz weggegangen war, um seinen Laden abzuschließen, kam wieder zurück und wir begannen mit dem Abendessen. Reis mit Hühnchen. Ich war etwas verwundert, dass die Frauen nicht am Abendessen teilnahmen und fragte, ob sie denn nichts äßen. Doch sie signalisierten ein „Nein“. Nachdem wir fertig gegessen hatten, begaben sich die Frauen dann mit dem, was wir vom Essen übrig gelassen hatten, ins Nebenzimmer, um dort getrennt zu Abend zu essen. Seltsame Sitten. Aber ich war satt und somit glücklich.

Farhad erzählte, dass es ihm in der Türkei gut gefalle und er mit den Regeln des Islam und der traditionellen, konservativen Lebensweise auf dem Land keine Probleme habe. Doch er hatte auch das Glück, sich seine Frau selbst aussuchen zu können. Er meinte, normalerweise suche der Vater einen Mann aus, sobald die Tochter 16 oder 17 Jahre alt ist. Anschließend gebe man den beiden etwas Zeit, um sich kennenzulernen, bevor es schließlich zur Heirat ginge. War ein Mädchen mit 22 oder 23 noch nicht verheiratet, war dies äußerst ungewöhnlich. Irgendetwas musste mit ihr nicht stimmen. Sie galt, um es mit den Worten der ARGE auszudrücken, als unvermittelbar.

Der beste Weg nach Aktuzla

Da Farhad sowieso um fünf aufstehen musste, um seine Kühe zu füttern, beschlossen wir, ebenfalls so früh wie möglich aufzubrechen. Er erklärte uns noch kurz den besten Weg – wir sollen die rechte Straße nehmen, da diese drei Kilometer kürzer als die linke ist und fast keine Steigungen hat. Um kurz nach sieben waren wir entgegen meiner Erwartungen bereits auf den Rädern.

Eines der Dörfer bei Kopal

Eines der Dörfer bei Kopal

Bei strahlendem Sonnenschein ging es bei Tauwetter genau entlang der Schneegrenze in Richtung Süden. Der Weg schlängelte sich mal felsig, mal schlammig, mal trocken, mal steil, mal flach, durch die Berge bis nach Aktuzla. Unterwegs konnte man unter uns die andere Strecke sehen, von welcher uns Farhad abgeraten hatte, weil sie ja drei Kilometer länger war. Statt 15 also 18 Kilometer. Doch statt 500 Höhenmetern hätte sie auch nur geschätzte 150 gehabt. Der Türke hatte mal wieder vergessen zu berücksichtigen, dass ein Fahrrad keinen Motor hat. Aber solche Kleinigkeiten können einem schon mal entfallen, wenn man Touristen ins Gebirge schickt.

Schneelandschaft und der Süphan Dağı

Schneelandschaft und der Süphan Dağı

Der Süphan Dağı, ein Vulkan, ist mit 4058m der zweithöchste Berg der Türkei.

In Aktuzla fragten wir nach Brot, doch der einzige Laden im Dorf hatte leider keins. Es stand also schlecht um unser Frühstück. Doch einer der netten Kurden am Geschäft fuhr kurz nach Hause und brachte uns zwei Fladenbrote und ein Tütchen vom angeblich berühmten Salz von Aktuzla. Man erklärte uns, es ginge hier nur noch einmal 200 Meter bergauf und ab dann sei alles bis zum Vansee nur noch bergab. Doch wir trauten solchen Angaben immer weniger und natürlich war der Rest der Strecke alles andere als „nur bergab“.

Die Ebene bei Aktuzla

Die Ebene bei Aktuzla

Einige Kurden studieren meine Landkarte

Einige Kurden studieren meine Landkarte

Ausnahmsweise wollte mir niemand den besten Weg nach Van erklären.

Mit Gegenwind zum Hafen

Süphan Dağı

Süphan Dağı

Der schneebedeckte Vulkan war auch aus gut 40 Kilometern Entfernung beeindruckend.

Der Rest des Weges nach Tatvan verlief ereignislos, bis auf einen fahrenden Kleiderhändler, der uns mit seinem Bus anhielt und von seinem Job erzählte. Er zeigte uns ein Blatt mit Zeichnungen altertümlichen Goldschmucks und berichtete, er sei auf der Suche nach solchen vergrabenen Schätzen. Nur gefunden habe er bisher noch nichts. Bevor wir uns verabschiedeten, tauschten wir noch die Telefonnummern aus. Ein sinnloses Unterfangen, da man sowieso nie telefonieren würde und höchstens mit nervigen SMS bombardiert wird, aber wir hatten in der Zwischenzeit gelernt, dass es schneller ging, lächelnd und dankend die Nummer aufzuschreiben, als zu erklären, dass man diese nicht benötigte.

Gegen den Wind traten wir mit Vollgas die letzten 30 Kilometer bis zum Hafen von Tatvan an. Da ich vom Vorjahr noch wusste, dass die Fähre nach Van gegen drei oder vier Uhr abfahren würde, gaben wir alles, um rechtzeitig anzukommen. Außer Atem erreichten wir um zwei Minuten vor drei den Pier, wo weit und breit keine Fähre zu sehen war. Ich fragte nach der Abfahrtszeit. Gegen elf Uhr abends, teilte man uns mit, eventuell später, wenn der Zug, dessen Waggons mit der Fähre verschifft werden sollten, wie so oft Verspätung hätte. Wir waren also lediglich acht Stunden zu früh dran.

Das Westufer des Van-Sees

Das Westufer des Van-Sees

Der See ist sehr natronhaltig und siebenmal größer als der Bodensee.

Tatvan

Da wir keine Lust hatten, die ganze Zeit am Pier zu warten, fuhren wir ins Zentrum von Tatvan. Eigentlich wollten wir nur etwas zu essen und Zigaretten kaufen, doch vor dem Laden lud man uns zu einem Tee ein und wir kamen mit Ali ins Gespräch. Er meinte, die Abfahrtszeit wäre falsch und nach einem Telefongespräch stellte sich heraus, dass die Fähre um neun Uhr abends gehen sollte.

Mit unseren kurdischen Freunden auf der Dachterrasse in Tatvan

Mit unseren kurdischen Freunden auf der Dachterrasse in Tatvan

Ali führte uns ein wenig durch Tatvan, lud uns zu einem weiteren Tee in einem Dachterrassen-Café ein, von wo aus man eine super Aussicht über Tatvan und den westlichen Teil des Sees hatte. Er wies uns auf einen Berg hin, dessen Kamm dem Konterfei Atatürks ähnelte und der deshalb, wie so viele Wahrzeichen der Türkei, dessen Namen trug. Er besorgte uns den bisher besten Dürüm, den wir in der Türkei gegessen hatten und brachte uns wieder zurück zu unseren Fahrrädern, die wir beim Laden gelassen hatten.

Warten auf den Zug

Wir radelten zurück zum Pier und warteten. Wir warteten lange. Zwischenzeitlich laberte uns ein Türke zu, der angeblich auch auf die Fähre wartete, um in Van Bankgeschäfte zu tätigen. Er erkannte, dass mein Türkisch nicht sehr gut war, und beschloss, sich fern jeglicher Grammatik ausschließlich mit willkürlich aneinandergereihten Substantiven zu unterhalten. Man verstand somit kein einziges Wort. Aus irgendeinem Grund wollte er dann plötzlich doch nicht mehr nach Van und wir waren erleichtert, als er nach einer Stunde unverständlichen Kauderwelschs endlich verschwand.

Unsere Fähre nach Van in der Dunkelheit

Unsere Fähre nach Van in der Dunkelheit

Gegen halb elf kam der Zug an, die Waggons wurden auf die Fähre geladen und um halb zwölf setzte sich unser Kahn endlich in Bewegung. Die Überfahrt würde etwa vier Stunden dauern. Wir würden also gegen halb vier Uhr morgens in Van ankommen. Eine herrliche Uhrzeit, um die Stadt zu erkunden. Ich versuchte, während der Überfahrt ein wenig zu schreiben, doch mir fielen ständig die Augen zu, so dass ich schließlich aufgab und mich schlafen legte. Außer der Crew waren wir die einzigen beiden Passagiere an Bord.

Endlich in Van

Morgengrauen über dem Pier von Van

Morgengrauen über dem Pier von Van

Uns standen drei erholsame Stunden Schlaf bevor.

Um vier Uhr morgens verließen wir die Fähre und standen am menschenleeren Pier von Van. Zwischen der Anlegestelle des Piers, der einige hundert Meter ins Meer hineinragt, und der Küste befindet sich entlang der Straße ein schmaler Park, in dem einige Pavillons stehen. Wir schlugen unser Nachtlager in einem solchen Pavillon auf, ich machte einige Fotos vom gerade einsetzenden Morgengrauen, und wir legten uns schlafen. Wir würden sowieso bis nachmittags warten müssen, bis wir uns mit Levent, unserem Couchsurfing-Host, treffen konnten. So freuten wir uns darauf, endlich richtig ausschlafen zu können.

Unverschämte Parkwächter

Der Van-See und die Burg von Van

Der Van-See und die Burg von Van

Um Punkt sieben Uhr morgens weckte uns der Parkwächter und machte uns klar, dass wir hier nicht schlafen könnten. Der Pier und der Park waren zwar immer noch menschenleer und würden es auch die nächsten Stunden bleiben, doch Regeln sind Regeln, und diese müssen selbstverständlich befolgt werden, so sinnlos sie auch sein mögen. Voller Verständnis und hochmotiviert standen wir nach drei unglaublich erholsamen Stunden Schlaf wieder auf, packten unsere Sachen und fuhren ins Zentrum von Van.

Kackbratzen

Schuhputzer in Van

Schuhputzer in Van

Nur einige hundert Meter entfernt vom Hotel Tahran, wo ich im Jahr zuvor mit Fabian abgestiegen war, fanden wir ein Teehaus mit kostenlosem WiFi und kontaktierten unseren Host. Er würde bis drei Uhr arbeiten müssen und uns anschließend seine Adresse schicken, was bedeutete, dass wir sechs Stunden hier warten mussten. Nervig, aber so ist das nun mal als Alternativreisender.

Während wir warteten, schaffte es eine kleine Kackbratze, Michis Rad umzuwerfen. Selbstverständlich auf die Seite, auf der der Spiegel montiert war, so dass dieser prompt abbrach. Die Reaktion der fürsorglichen Mutter war lediglich, Michi solle sich nicht so aufregen, es sei schließlich noch ein Kind. Der Vater stand wortlos daneben. Dann drehten sich beide um und gingen weg. Wir hätten ihnen gerne noch einen Backstein an den Kopf geworfen und den abgebrochenen Spiegel in ihre runzeligen Ärsche gesteckt, aber man ist ja ein friedliebender Mensch.

Levent

Ein Zigarettenverkäufer

Ein Zigarettenverkäufer

Illegal importierte Zigaretten aus dem Iran werden hier überall verkauft.

Ein netter Türke vom Laden gegenüber klebte den Spiegel mit einer seltsamen Glibbermasse wieder an, doch bei der ersten kleinen Erschütterung brach er sofort wieder ab. Gegen drei machten wir uns auf den Weg zu Levent und erreichten um vier seine Wohnung. Levent war ein äußerst ruhiger, rastabehangener Reggaefetischist. Er arbeitete als Arzt und traf sich in seiner Freizeit fast jeden Abend mit seinen Freunden in einer Bar im Zentrum von Van, oder sie packten gemeinsam ihre Campingausrüstung in die Autos und fuhren übers Wochenende in die Natur.

Levent hatte häufig Couchsurfer zu Gast und musste im Sommer oft Anfragen ablehnen, da Van eine der beiden Anlaufstationen auf dem Weg in den Iran ist und fast alle Überlandreisenden hier durch müssen.

Unser Wunsch nach einer heißen, entspannenden Dusche wurde in Levents Appartement leider nicht vollständig erfüllt, da die Wassertemperatur ständig zwischen brühend heiß und eiskalt hin und her sprang und man deshalb, in der Badewanne hockend, den Duschkopf in eine Schüssel hängen musste, um dann mit einer Kelle das Wasser aus der Schüssel über sich zu kippen. Man wurde sauber, aber entspannend ist anders.

Geburtstag in der Bar

Loser-Büfe - den Namen würde ich nochmal überdenken

Loser-Büfe – den Namen würde ich nochmal überdenken

Am Abend fuhren wir gemeinsam zu Levents Stammkneipe, wo das nächste Unheil ungehindert seinen Lauf nahm. Ein Bekannter von Levent brachte ein Bündel seltsamer, grüner Stängel mit. Es handelte sich um eine Pflanze, die hier überall am Straßenrand verkauft wurde und die man uns als Bergbanane vorstellte. Man entfernt die faserige äußere Schicht des Stängels, der von der Form her dem eines Rhabarbers nicht unähnlich war, bevor man den bitter schmeckenden Rest verzehren konnte. Mein Fall war es nicht, doch scheinbar war die hier endemische Pflanze bei den Türken um Van herum sehr beliebt.

Der Rest des Abends lässt sich kurz und bündig zusammenfassen: Wir vernichteten eine nicht zu unterschätzende Menge Bier, tanzten kurdischen Volkstanz, feierten Geburtstag, aßen Kuchen, konsumierten eine Cannabinoidzigarette und fielen viele Stunden später erschöpft ins Bett.

Post aus Deutschland

Das langersehnte Paket aus Deutschland

Das langersehnte Paket aus Deutschland

Als ich mit unglaublichem Kater wieder aufwachte, kam Levent gerade von der Arbeit nach Hause und hatte das lang ersehnte Paket aus Deutschland unterm Arm. Es hatte alles reibungslos geklappt. In meiner unendlichen Dummheit hatte ich zwar die falschen Bremsbeläge bestellt, vergessen ein Audiokabel zu ordern, um den MP3-Player mit meinem Brüllwürfel zu verbinden, und die Akkus, die ich für meine Stirnlampe gekauft hatte, ließen sich in dieser nicht aufladen, da sie nur die dämlichen originalen Akkus akzeptierte (für solche Design-Entscheidungen sollten die Entwickler gesteinigt werden), aber trotzdem war ich froh, endlich das Paket in meinen Händen zu halten.

Wir besorgten in Van noch irantaugliche Kleidung für Michi, eine frustrierende Odyssee, die uns durch mehrere Dutzend Kleidergeschäfte führte, hoben genügend Lira für den Iran, Turkmenistan und Usbekistan ab, also genug Geld für fast zehn Wochen, und tauschten die Hälfte davon in Dollar um.

Im nächsten Nils Holgersson legen wir die letzten Kilometer in der Türkei zurück und erreichen die iranische Grenze und somit nach fast drei Monaten endlich das zweite Land unserer Reise.

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4 Gedanken zu „Von Karayazı zum Van-See“

  1. „Unsere Fähre nach Van in der Dunkelheit“ Das Bild is irgendwie komisch, oder? Die Fähre ist das Ding rechts fast gar nicht im Bild und der Rest ist hmm Zeug? 😀

    1. Nein, leider nicht, den Link muss man immer manuell einfügen, wenn ein neuerer Artikel erschienen ist. Dauert manchmal etwas, bis Ollo oder ich dran denken. 🙂 Hab ich nun gemacht!

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