Zelt im Sonnenaufgang im Feld

Radfahren in Ungarn: Balaton und Erntedank

Radfahren in Ungarn: Erste Eindrücke

Grenzübergang Ungarn

Grenzübergang Ungarn

Dem Schild nach zu urteilen mögen die Ungarn keine Radfahrer.

Wer den letzten Artikel in der 15d6c Serie gelesen hat, kann sich denken, in welchem Zustand wir uns an diesem Morgen befanden: an Radfahren war erst einmal nicht zu denken. Die Köpfe schmerzten, in den Muskeln machten sich die Kilometer der letzten Tage bemerkbar und wir nahmen uns vor, einen ganz gemütlichen Tag zu verbringen und nur ein kurzes Stück nach Ungarn hineinzufahren. Dann fiel uns ein, dass wir ja heute die Perseiden anschauen wollten – ein jährlich um den 13. August auftretender Meteoritenschauer. Ich hatte extra eine Stelle mit möglichst wenig Streulicht in Ungarn dafür gesucht. Diese lag allerdings noch etwa 80km entfernt.

Die Sohle löste sich immer weiter von Ettis Schuhen und Klickpedale sind ohne entsprechendes Schuhwerk fast nicht fahrbar. Deshalb warteten wir im Hostel darauf, dass der Schuster die Pforten seines Ladens im Innenhof des Hostels öffnete. Gegen neun Uhr fragten wir beim Hostelbesitzer nach, wann das Geschäft denn genau aufmache, worauf dieser uns erklärte, der gute Herr trinke gerne mal einen über den Durst und nehme es deshalb mit den Öffnungszeiten nicht so genau. Wir warteten noch eine gute halbe Stunde und machten uns schließlich ohne Schuhreparatur auf den Weg nach Ungarn. Kurze Zeit später erreichten wir die Grenze. Das Schild für Fahrradfahrer, welches direkt neben dem Grenzschild stand, diente scheinbar als Zielscheibe für Kleinkaliberfetischisten und war mit Einschusslöchern übersät. Oder aber, die Ungarn mögen einfach keine Radfahrer. Es blieb spannend.

Mundraub beim Radfahren

Mundraub

Der Radweg endete kurz nach der Grenze und wir mussten auf eine viel befahrene Straße mit reichlich LKW-Verkehr wechseln. Doch die Ungarn fuhren recht rücksichtsvoll, wodurch der Verkehr ein eher kleineres Problem darstellte. Unser erster Eindruck von den Magyaren war sehr positiv. Sie waren freundlich, viele der Älteren konnten ein bisschen Deutsch und die Preise im Supermarkt waren selbst im Vergleich zur Slowakei günstig. Ebenfalls positiv fielen uns die vielen Zwetschgen- und Mirabellenbäume am Straßenrand auf, an denen man schlichtweg nicht vorbeiradeln konnte, ohne die Hand auszustrecken und ein paar der leckeren Früchte zu klauen. Wir pflückten sogar eine Handvoll auf Vorrat und legten sie in die Lenkertasche. Keine gute Idee! Nach einigen Stunden Gerüttel in der prallen Sonne ging von der Tasche ein etwas beißender Gärgeruch aus. Wir entsorgten das klebrige Obstmus dann im Straßengraben.

In Szorna vor dem Supermarkt

In Szorna vor dem Supermarkt

Hier kauften wir den Wodka, der uns den Meteoritenschauer vermiesen würde.

Als wir an einem kleinen Markt anhielten, brabbelte uns eine Ungarin lautstark und mit den Armen um sich fuchtelnd auf Ungarisch zu. Es schien ihr ziemlich wichtig zu sein, aber leider verstanden wir kein Wort außer „Parking“. Wenigstens war es diesmal die ungarische Sprache und nicht die Deutsche, mit der wir Probleme hatten. Was sie von uns wollte würden wir leider nie erfahren. In heißer Erwartung einer brachialen Geschmacksexplosion kauften wir ungarische Paprika und Salami. Die Salami war relativ teuer, sogar für deutsche Verhältnisse, schmeckte aber vorzüglich, wogegen wir bei der Paprika keinen Unterschied zum in Deutschland erhältlichen Plastikgemüse aus Spanien feststellen konnten. Gestärkt strampelten wir weiter, auf der Suche nach dem perfekten Dunkel.

Schumacker, Niki Lauda, Hungari

Kneipe Ungarn

Eine Kneipe mitten im Nirgendwo

Eigentlich wollten wir hier nur ein Bier trinken.

Unterwegs kamen wir zuerst an einer süßen kleinen Katze vorbei, die sich aber sofort im Gebüsch versteckte, anschließend an einer sehr, sehr flachen Katze, die es nicht mehr ins Gebüsch geschafft hatte und deshalb ihre Innereien außen am Körper trug, und zu guter Letzt lag da noch ein toter Adler im Straßengraben. Es könnte auch ein großwüchsiger Rabe gewesen sein, dem man den Kopf weiß lackiert hatte. Aber ich bin mir recht sicher, dass es ein Adler war. Nach rund 50 Kilometern hatten wir die von mir ausgesuchte Sternschnuppenstelle fast erreicht. Da es bis zum Einbruch der Dunkelheit noch eine Weile hin war, kam uns die Dorfkneipe im letzten Kaff vor unserem Acker gerade recht.

Gruppenfoto Kneipe Szorna

Circa 10 Bier später vor derselben Kneipe

Mehr als "Niki Lauda", "Schumacker" und "Hungari" hat unser Kollege leider nicht mehr zustande gebracht.

Ohne Böses zu ahnen warfen wir einen Blick auf die Getränkekarte. Dort entdeckten wir neben den in Deutschland üblichen Größen auch die Einträge: „1L Wodka“ und „10L Bier“. Es schien, wir waren nun wirklich im Osten angekommen. Wir orderten zwei Bier, die jedoch schneller leer waren, als man Sternschnuppenschauer sagen kann. Beim dritten Bier lernten wir dann, dass „zwei Bier“ auf ungarisch „kettő sör“ heißt und beim fünften Getränk gesellte sich ein netter Ungar an unseren Tisch, der sich allem Anschein nach bereits einen nicht mehr aufzuholenden Trinkvorsprung erarbeitet hatte. Dummerweise konnte er kein einziges Wort Deutsch, Englisch, Spanisch oder Französisch und, wie sich herausstellte, auch kein Ungarisch, denn als wir einige Zeit später am Nachbartisch anfragten, was der gute Herr uns denn die ganze Zeit zu erzählen versuchte, sagte man uns nur, das wüssten sie auch nicht. Es sei einfach unmöglich, ihn zu verstehen. Das weitere Gespräch beschränkte sich also auf die Ausrufe „Mischeschleschel Schumacker“, „Niki Lauda“ und „Hungari“ und einigen hungaroiden Lautketten seinerseits, bis wir nach unzähligen Bier und einer angebrochenen Flasche Wodka schließlich die Flucht ergriffen, um endlich Sternschnuppen zu sehen. Außerdem wollte der Wodka ja noch getrunken werden.

Schlafsack auf dem Feld

Etti beim Sternschnuppen-Schauen

Irgendwie müssen wir beide eingeschlafen sein. Damn Vodka!

Der Rest der Nacht verlief eher unspektakulär. Wir begaben uns mit unseren Luftmatratzen auf den Acker und in die optimale Position zur Sternschnuppenbeobachtung – die Horizontale – leerten im Handumdrehen eine halbe Flasche Wodka und schliefen bereits wenige Minuten später tief und fest, während am Himmel über uns das Spektakel unbeobachtet weiter seinen Lauf nahm. Aber vielleicht würde es ja im nächsten Jahr klappen.

(Sarkasmusfeinde und Gegner schlechter Witze überspringen bitte die nächste Zeile!)
Der wohl letzte Gedanke vorm Einschlafen war: Was haben Sternschnuppen und Niki Lauda gemeinsam? Beide verbrennen innerhalb von Sekunden.

Erste Verletzungen

aufgeschürfter Rücken beim Radfahren

Vom Traktor ziehen lassen: Fail

Könntest du mir mal den Rücken schürfen?

Am nächsten Morgen gegen halb sieben weckte uns die Sonne. Wir schwangen uns sofort auf die Fahrräder. Voller Energie radelten wir mit knapp 30km/h die Straße entlang. Scheinbar hatte der Wodka vom Vortag einen exzellenten Brennwert. Unterwegs verwirklichte ich einen weiteren meiner Träume und ließ mich von einem Traktor durchs Dorf ziehen. Das funktionierte für einige Meter ganz toll, doch als der Traktorfahrer einen anderen Gang einlegte, machte das Gefährt einen Satz und ich verriss mit einer Hand den Lenker zur Seite, während ich mich mit der anderen immer noch am Traktor festhielt. Während Etti in freudiger Vorausahnung bereits hektisch den Fotoapparat aus der Lenkertasche kramte, wurde meine Schräglage immer bedrohlicher. Schließlich musste ich den Traktor loslassen und es schlug mich in feinster Jackass-Manier auf den Asphalt. Der Autofahrer hinter mir versteht vermutlich bis heute nicht, warum ich jetzt auch noch einen Lachanfall bekam und zeigte mir grinsend einen Vogel. Doch die paar kleinen Schürfwunden nahm ich bereitwillig in Kauf, denn ohne diese könnte ich hier nicht von meiner Blödheit berichten. Radfahren will eben gelernt sein.

Landschaft mit Balaton

Die erste Balatonsichtung

Die Freude war groß, endlich am See zu sein.

Touristenmekka Balaton

Touristenüberlaufener Balatonort

Im ersten touristenüberlaufenen Balatonort

Hier war die Freude dann schon nicht mehr ganz so groß.

Am späten Nachmittag erreichten wir den Balaton, auch Plattensee genannt, und hatten somit gut die Hälfte der Tour hinter uns gebracht. Nachdem wir bisher durch sehr ländliche Teile Ungarns gefahren waren, erschienen uns die Ferienanlagen am See wie eine bunte Touristenhölle. Für vergleichsweise teure 1,70€ das Glas erstanden wir zwei Touristenbier und beobachteten schweigend Urlauber mit langen Gesichtern, die von ihren Kindern zum Kauf sinnloser Plastikgegenstände drangsaliert wurden, welche sie ebenso lustlos wie genervt bezahlten. Als unsere Krüge leer waren, beschlossen wir den See schnellstmöglich wieder zu verlassen und weiter in Richtung der kroatischen Grenze zu fahren.

Deutsche Grillholzkohle in Ungarn

Deutsche Grillholzkohle in Ungarn

Garantiert ohne Tropenholz!

An einem kleinen Laden im nächsten Ort hielten wir für ein weiteres Bier an. Wir tranken es genüsslich, während wir am Straßenrand saßen und abseits des Tourismus die stinkenden Autos und verranzten Häuser bewunderten. Das gefiel uns schon eher. Als wir weitere vier Bier kauften, versuchte uns ein Herr am Laden eine seiner riesigen Wassermelonen anzudrehen. Da wir keine Möglichkeit hatten, diese Monster zu transportieren, mussten wir leider ablehnen. Noch während wir unser Bier tranken, zogen binnen weniger Minuten dunkle Wolken am Himmel auf und es begann zu grollen und tröpfeln. Wir dachten, es sei das Schlauste, eine Zeltstelle zu suchen, und fuhren durchs Dorf den Berg hinauf während der Regen stärker wurde. Die erste potenzielle Schlafstelle wäre der Eingangsbereich einer Kirche gewesen. Die zweite Möglichkeit der überdachte Eingang der Leichenhalle. Beide Ideen verwarfen wir schnell wieder.

Höhle am Balaton

Unsere Schlafhöhle am Balaton

Auf der Flucht vor einem Gewitter fanden wir zufällig eine Höhle.

Zelten in der Höhle

Zelten in der Höhle

Als Kriechzeugschutz bauten wir das Innenzelt doch lieber auf.

Etwas weiter den Berg hinauf und mitten im Wohngebiet entdeckten wir zufällig eine kleine Höhle samt Fledermaus und Spinnenfarm, in die wir uns zurückzogen. Draußen begann der Weltuntergang, doch unsere Nacht war gerettet.

Am nächsten Morgen stellte ich fest, dass es keine gute Idee war, die Schürfwunde an meinem Allerwertesten nicht abzudecken, denn die Kruste darauf war über Nacht so fest mit meiner Unterhose verschmolzen wie man es nur aus der Sekundenkleberwerbung kennt. Mich umzuziehen war an diesem Morgen sehr schmerzhaft, aber die Lösung des Problems war nicht weit. Wir kauften im nächsten Supermarkt eine Packung Damenbinden, die ich mir auf die Wunde pappte. (Eine Binde, nicht die ganze Packung!) Das funktionierte tatsächlich besser als erwartet. Dem Grenzübertritt nach Kroatien stand jetzt nichts mehr im Wege. Zumindest dachten wir das in diesem Moment.

Touristen Zug

Touristenschleuder

Erntedank in Sand

Dorffest Sand beim Gulaschessen.

Dorffest Sand beim Gulaschessen.

Das Gulasch gab's kostenlos und Schnapps trinken mussten wir anschießend auch noch.

Die Sonne gab mal wieder alles und die Trinkflaschen waren komplett leer, als wir uns bei Kilometer 57 dem Sportplatz in Sand näherten. Dort plärrten gerade die Stones aus den Boxen und auf dem Spielfeld stand ein großes Festzelt. Hier würden wir bestimmt unsere Flaschen auffüllen können. Wir bekamen frisches Wasser aus dem Hydranten und man wünschte uns gerade eine gute Fahrt, als wir am anderen Ende der Torlinie einige Männer beim Kochen erspähten. Wie man uns sagte, wurde dort original ungarisches Gulasch zubereitet. Klar. Wir waren ja auch in Ungarn. Wie könnte es dann nicht original sein? Als wir versuchten den Preis für eine Portion in Erfahrung zu bringen, eilte eine scheinbar wichtige Person zu uns. Ich schätze, es war der Bürgermeister. Er erzählte uns lächelnd, das Gulasch sei kostenlos und sowieso sei heute das ganze Essen kostenlos, wie immer an Erntedank. Er drückte uns einige Stücke Brot in die Hand und meinte, wir sollten nach dem Essen doch zu ihm kommen und ungarischen Honigschnapps mit ihm trinken. Wir erfuhren noch, dass jeglicher Obstbrand auf Ungarisch „Pálinka“ heißt.

Bogenschießen in Sand

Etti beim Bogenschießen in Sand

Das Gulasch war unglaublich lecker, der Honigschnapps auch und sogar das Bier konnte man trinken. Da man nicht alle Tage die Chance hat in einem ungarischen Kuhkaff das Dorffest mitzufeiern, beschlossen wir 15km weit nach Nagykanizsa zu fahren, dort am Automaten Geld zu besorgen und dann wieder zurückzuradeln. Man sagte uns, wir könnten im Vereinsheim duschen und auch unsere Räder dort abstellen. Der Rest des Tages verliert sich zunehmends im Wiederholen des Satzes „kettő sör“ (zwei Bier) und dem genießen der Dorfatmosphäre. Man konnte Bogenschießen, es gab eine Vorführung der Feuerwehr, bei der die Frauen der Feuerwehrleute ein brennendes Gebäude löschen mussten, weil die Männer zu besoffen waren um den Schlauch zu halten. Das musikalische Rahmenprogramm wurde eingeleitet von einer Tanzgruppe in Dirndln und einer ungarischen Ein-Mann-Version von Take That, bevor das Niveau der Darbietung endgültig aufs „Heino und Hannelore“-Level sank. Amüsant war es dennoch.

Gebäude und Gegenstände aus Bierdosen

Gebäude und Gegenstände aus Bierdosen

Spät abends gab es noch ein Feuerwerk, bei dem der Veranstalter in Deutschland vermutlich sofort festgenommen worden wäre. Die Ungarn schienen sich an den gelegentlichen Querschlägern, die ins begeisterte Publikum flogen und dort explodierten jedoch nicht zu stören. Anschließend verlagerte sich die Feier lautstark in die Dorfhalle und die gegenüberliegende Kneipe. Wir wurden freundlicherweise vom Bürgermeister in einem uralten russischen LKW ins Zentrum gefahren. In der Halle spielte eine drittklassige zweiköpfige Unterhaltungskombo ungarische Schlager in Motörhead-Lautstärke, während zwei besoffene Radfahrer vor der Bühne dazu tanzten. Nein. Moment, das waren ja wir selbst. Außerdem versuchte man uns vor der Halle ständig die ungarischen Dorffrauen schmackhaft zu machen. Das ging in etwa so:
Dorfkneipe Sand

Dorfkneipe Sand zu späterer Stunde

Den gesamten Bier und Schnappsvorrat hatten wir bereits durchprobiert. Was jetzt?

– „Du keine Frau?“
– „Nee, das habe ich mir abgewöhnt.“
– „Ah, nur wichsen. Aber ungarische Frauen gut. Du musst tanzen.“
– „Ich tanze aber nicht gerne.“
– „Ach, egal. Schnell tanzen!“
Mein messerscharfer Verstand erkannte sofort, dass es hier gar nicht ums Tanzen ging. Wir verbrachten den Rest des Abends dann tanzfrei in der Kneipe, wo wir den gesamten Schnappsschrank durchprobierten, bevor wir uns aufrafften um zurück zum Fußballplatz zu laufen.

In wilde Diskussionen vertieft, liefen wir erst fast 2 Kilometer am Sportplatz vorbei, bevor wir es bemerkten und umkehrten. Wieder am Festzelt angekommen unterhielten wir uns noch eine Weile und aßen leckere Salami. Scheinbar lachten wir so laut, dass wir sogar die Nachtwache damit aufweckten. Vier Stunden bevor unser Wecker klingeln würde, lagen wir endlich wieder in unseren Schlafsäcken.

Ortsschild Sand

Unterwegs nach Zagreb

Frühstück am Fischweiher

Frühstück am Fischweiher in der Nähe der kroatischen Grenze

Auf dem Weg zum Weiher wurde ich von einem Aggroschwan attackiert.

Früh morgens erhoben wir uns zum ohrenbetäubenden Geläut unseres Handyweckers mit revoltierendem Magen und starker Schlagseite von unseren Luftmatratzen. Die Nachtwache vom Vortag hatte sofort eine Lösung parat. Er entfernte sich mit seinem deutschen Schäferhund kurz und kam mit drei randvollen Riesenschnappsgläsern zurück. Schon beim Anblick wurde mir ganz anders, aber man soll ja nicht unhöflich sein. Wir prosteten und ich stürzte die hochprozentige Medizin in einem Zug runter, während ich aus dem Augenwinkel beobachtete, wie Etti sich seinen Glasinhalt geschickt über die Schulter schleuderte. Man gab uns noch einen Laib Brot und einer der Anwesenden schenkte uns irgendwelche extrem leckeren Puddingtaschen, die seine Frau für ihn gebacken hatte, bevor wir auf unsere Sättel krochen und weiterfuhren. Wir frühstückten an einem Fischweiher, nachdem mich ein fauchender Schwan versuchte hatte, von der Straße zu drängen, und erreichten nach 26 Kilometern die kroatische Grenze.

Schild Grenzübergang Kroatien

Grenzübergang Kroatien

Was uns bereits wenige Kilometer hinter der Grenze auffiel ist: Kroatien ist anders. Es hatte die letzten Wochen durchgehend geregnet, weswegen alles matschig, überschwemmt oder zumindest unglaublich feucht war. Die Landschaft war bedeutend hügeliger als in Ungarn und die Steigungen zum Teil brutal. Des Weiteren wurden wir an jeder zweiten Kreuzung von kläffenden Hunden verfolgt. Mir war das noch relativ egal, aber Etti hat Angst vor Hunden, so dass es für ihn jedes Mal ein Horrortrip war. Die wohl spektakulärste Verfolgungsszene ereignete sich, als wir uns in einem kleinen verschlafenen Dorf dem Kreisverkehr in der Dorfmitte näherten. Wir fuhren in den Kreisel hinein und sahen plötzlich zu unserer Rechten einen Pulk von sieben oder acht Hunden stehen. Etwa im selben Moment drehte eines der Zottelviecher seinen Kopf zu uns herum. Es schien beinahe, er würde hämisch grinsen, als er ein einziges, kurzes Bellen von sich gab. Natürlich drehten jetzt auch die anderen Hunde ihre Köpfe zu uns herum und sprinteten ohne auch nur einen Augenblick des Zögerns auf uns zu. Ich muss zugeben, ich habe Etti noch nie so stark beschleunigen sehen. Wir schafften es tatsächlich zu flüchten, bevor das kläffende Rudel uns erreichen konnte. Schade, dass ich die Kamera nicht griffbereit hatte.

Regenschauer in Križ Gornji

Regenschauer in Križ Gornji

Wir machten noch eine kleine Brotzeit an einem Fußballplatz, wo sich gerade zwei Mannschaften einen harten Kampf lieferten. Da wurde geschubst und geschoben, bis es schließlich fast zu einer Schlägerei auf dem Platz kam. Doch der Schiedsrichter konnte schlichten. Kurz darauf schoben wir unsere Bikes über rutschigen Lehmboden eine Ackerfurche hinunter und schlugen unten, an der wohl feuchtesten Stelle ganz Kroatiens, unser Zelt auf. Die Paprikapaste, die wir als Nudelsoße besorgt hatten, entpuppte sich als Sambal Olek (eine stark gesalzene Chilipaste) und weil es wegen der Feuchtigkeit nur so von Moskitos wimmelte, aßen wir mit langer Hose und Pulli zu Abend (ich bin sogar die ganze Zeit im Kreis gelaufen, um die Viecher abzuwimmeln). Kurz vorm Schlafengehen kam es dann noch zum Eklat.

Zelten in der Nähe von Povelić

Zelten in der Nähe von Povelić

Selbst jetzt, 4 Jahre danach, ist das immer noch der feuchteste und moskitogeplagteste Schlafplatz, den ich je hatte.

Wir waren 114 Kilometer geradelt, von Hunden verfolgt worden, es war heiß, es war feucht, das Essen war eklig und wir hatten Kater. Kurzum, die Stimmung war etwas angespannt. Ich bückte mich gerade hinter Etti hinunter, um etwas vom Boden aufzuheben. Als ich mich einige Zentimeter hinter seinem Allerwetesten befand, vernahm ich ein sehr lautes Furzgeräusch aus seiner Richtung. Ich rastete sofort aus und beschimpfte ihn aufs Übelste, während er anfing sich totzulachen. Sein Gelächter brachte mich nur noch mehr auf die Palme und ich ließ eine der besten Schimpfworttiraden meines Lebens los, bevor Etti mir irgendwann mitteilte, dass er das Geräusch mit dem Mund gemacht habe, um mich zu verarschen. Wer braucht schon Feinde, wenn er solche Freunde hat.

Landschaft und Ort Trema

Landschaft und Ort Trema

Die letzten Kilometer nach Zagreb waren wegen des starken Verkehrs und der Hitze kein Vergnügen. Die Stimmung war angespannt und selbst das Essen einer Banane führte zu hitzigen Diskussionen. Doch nach 919 Kilometern und 10 Fahrtagen erreichten wir schließlich die kroatische Hauptstadt. Wie es uns dort erging, was uns in Slowenien passierte und wie wir unsere Reise in Pula beendeten, könnt Ihr im letzen Artikel der 15d6c Tour lesen.

Pilze im Wald

Pilze im Wald

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